Artenvielfalt erfassen und sichtbar machen

Ökologisches Monitoring

Wer Natur schützen will, muss sie zuerst verstehen. Deshalb erfasst die Heinz Sielmann Stiftung in ihren Naturlandschaften und Biotopverbünden systematisch, welche Arten vorkommen, wie sich ihre Bestände entwickeln und wie die Landschaft auf Pflegemaßnahmen reagiert.

Langjährige Messreihen machen Veränderungen sichtbar, die sich dem flüchtigen Blick entziehen. So zeigt eine seit 2007 laufende Vegetationsstudie im Ferbitzer Bruch, wie der Klimawandel die Pflanzenwelt des Niedermoors radikal verändert. Gleichzeitig liefert das Monitoring Erfolgsnachrichten: In der Döberitzer Heide wurden über 550 Wildbienen- und Wespenarten gezählt. In Wanninchen tauchten drei Arten wieder auf, die in Brandenburg als ausgestorben galten. Diese Zahlen sind Belege für den Erfolg der Arten- und Landschaftsschutzmaßnahmen der Heinz Sielmann Stiftung – und zugleich eine wichtige Grundlage für alle weiteren naturschutzfachlichen Planungen.

Die Heidekraut-Seidenbiene (Colletes succinctus) profitiert von den Flächen in der Döberitzer Heide bei Berlin.

Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen

Verschollene Wild­bienen und Wespen wieder­entdeckt

In den Mooren von Sielmanns Natur­landschaft Wanninchen haben Forschende insgesamt 210 Wild­bienen- und Wespen­arten nachgewiesen, darunter viele stark gefährdete und drei Arten, die in Brandenburg bislang als verschollen oder ausgestorben galten. Dass sie hier unbemerkt überlebt haben, verdanken sie dem vielfältigen Mosaik aus Moor­landschaft, altem Wald und offenen Flächen. Die Moore waren durch den Braunkohle­bergbau ab den 1970er Jahren jahr­zehnte­lang stark geschädigt worden. Erst seit dem Erwerb durch die Heinz Sielmann Stiftung im Jahr 2000 erholen sie sich wieder. Die Zahlen sprechen für sich: Fast jede fünfte in den Mooren nachgewiesene Art gilt in Brandenburg als gefährdet, gut jede zehnte steht auf der bundes­weiten Roten Liste.

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Zimmerleute des Waldes ausgelauscht

Im Görlsdorfer Wald wurden im Rahmen des im Frühjahr stattfindenden Specht­monitorings fünf Specht­arten nachgewiesen. Das Ergebnis unterstreicht die Bedeutung des Waldes als struktur­reichen Lebens­raum, denn Spechte sind anspruchsvoll und gelten als Zeiger­tiere für intakte, totholz­reiche Wälder.

Der Mittelspecht (Leiopicus medius) wurde bei einem Spechtmonitoring im Naturschutzgebiet Görlsdorfer Wald in Brandenburg nachgewiesen.

Wölfe mit Nachwuchs

Das Wolfs­monitoring lieferte erfreuliche Ergebnisse: In der Tornower Niederung wurde eine Familie mit sieben Welpen dokumentiert, im Heide­grund Grünswalde eine weitere mit mindestens vier Jung­tieren. Darüber hinaus gab es Einzel­nachweise im Bereich des Natur­schutz­gebiets Wanninchen.

Eigentlich ein Brutvogel des hohen Nordens, brütet der Singschwan (Cygnus cygnus) mittlerweile auch im Osten Deutschlands. In Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen wurden im Jahr 2025 insgesamt 264 Singschwäne gezählt.

Singschwäne kehren zurück

In der Tornower Niederung und an den Bornsdorfer Teichen brütete je ein Singschwan-Paar (Cygnus cygnus) erfolgreich. Ein weiteres Revierpaar wurde ebenfalls in der Tornower Niederung festgestellt, Einzel­beobachtungen gelangen im Bergen-Weißacker Moor. Der Singschwan ist ein anspruchsvoller Brutvogel, sein Vorkommen spricht für die Qualität der Feucht­gebiete in der Region.

Die Männchen des Kleinen Heidegrashüpfers (Stenobothrus stigmaticus) werden höchstens 15 mm lang und bevorzugen trockenen Magerrasen.

Neue Erkenntnisse aus den Mooren

In Kooperation mit der Universität Hildesheim wurden die Moore Wanninchens auf ihre Insekten­welt hin untersucht. Die veröffentlichten Ergebnisse zu Libellen und Heuschrecken verzeichnen bemerkenswerte Funde, darunter den Kleinen Heide­grashüpfer (Stenobothrus stigmaticus) und die Südliche Mosaik­jungfer (Aeshna affinis), zwei Arten, die auf gut erhaltene, offene Moor­landschaften angewiesen sind.

Die Südliche Mosaikjungfer (Aeshna affinis) bewohnt Gewässer, die im Winterhalbjahr Wasser führen und im Laufe des Sommers meist austrocknen.

Sielmanns Naturlandschaft Groß Schauener Seen

Spannende Erst­sichtungen an den Groß Schauener Seen

Groß Schauener Seen, Brandenburg: Erstmals ist der bis zu 3,1 Millimeter lange Riedgras-Glanzkäfer (Kateretes pedicularius) nachgewiesen worden.

Die Pokal-Azurjungfer (Erythromma lindenii) war im Berichtsjahr in Sielmanns Naturlandschaft Groß Schauener Seen ein Erstfund.

Der Gilbweiderich-Sattelrüssler (Tapinotus sellatus) ist ein feuchtigkeitsliebender Rüsselkäfer und eine von sechs neu gesichteten Arten in Groß Schauen.

Ebenfalls ein Neufund: Raupen des Rostbraunen Raufußspinners (Clostera anastomosis), der auf der Vorwarnliste des Rote Liste Zentrums steht.

Ein Erpelschwanz-Raufußspinner (Clostera curtula), dessen Raupen ebenfalls 2025 in Groß Schauen erstmalig entdeckt wurden.

Seltene Pflanzen warten im Boden auf die richtigen Bedingungen

Die Master-Arbeit von Daria Wienen (Universität Potsdam) „Effects of Salinity in the Vegetation Composition and Seed Banks of the Woppusch Peninsula and the Surrounding Inland Salt Marshes in Brandenburg“ ist eine aktuelle vegetations­kundliche Arbeit. In diesem Rahmen wurde der Kriechende Sellerie (Apium repens) als seltene Charakterart von Salzwiesen aus der Samen­bank einer Bodenprobe vom Woppusch nachgewiesen.

Im Rahmen einer Master-Arbeit wurde die seltene Zusammengedrückte Quellbinse (Blysmus compressus) gefunden.

Rohrdommeln werden synchron gezählt

An einem milden, wind­stillen Abend im Mai wurde an der Groß Schauener Seenkette eine von der Naturwacht organisierte Rohr­dommel-Synchron­zählung mit Unter­stützung zahlreicher Ehren­amtlicher durchgeführt. Dabei wurden insgesamt zehn rufende Rohr­dommel-Männchen (Botaurus stellaris) nachgewiesen und damit eines mehr als 2024.

Rohrdommeln (Botaurus stellaris) halten sich meist im Schilf versteckt. Die Männchen sind aber an ihrem Ruf, einem tiefen „Whuump“, gut auszumachen.

Während eines Insekten- und Spinnen-Monitoring in der Kyritz Ruppiner Heide ging auch die sehr seltene und stark gefährdete Goldaugenspringspinne (Philaeus chrysops) „ins Netz“.

Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide

Was krabbelt denn da?

Zwischen Mai 2024 und April 2025 wurde in der Kyritz-Ruppiner Heide an drei Wald­standorten ein umfassendes Insekten- und Spinnen­monitoring durchgeführt. Nachgewiesen wurden 30 Lauf­käferarten und bemerkenswerte 148 Spinnen­arten, darunter mehrere seltene Vertreter wie der Feld-Damm­läufer (Nebria salina) und die Rote Glanz­spinne (Hypsosinga sanguinea).

Der Vergleich mit einem früheren Monitoring offener Heide­bereiche aus dem Jahr 2021 fällt eindeutig aus: Obwohl die Fang­zeit in der Heide mit zwölf Wochen weit kürzer war als die 52 Wochen im Wald, wurden dort mit 69 Lauf­käfer- und 179 Spinnen­arten deutlich mehr Arten gefunden. Zehn Rote-Liste-Lauf­käferarten stehen in der Heide nur vier aus dem Wald gegenüber, bei den Spinnen sind es 50 zu sechs.

Die Zahlen bestätigen, was Natur­schützer seit Langem betonen: Eine intakte Heide­landschaft ist für viele spezialisierte Tier­arten ein wertvoller Lebens­raum, der in der intensiv genutzten Kultur­landschaft kaum noch zu finden ist. Lauf­käfer und Spinnen gelten als verlässliche Zeiger­tiere für den öko­logischen Zustand eines Lebens­raums.

Sielmanns Naturlandschaft Tangersdorfer Heide

Samenbank überdauert im Boden

2023 wurden in ehemaligen Kiefern­beständen Rohsand­böden freigelegt. Eine Vegetations­erfassung im Mai 2025 zeigt: Die Besen­heide (Calluna vulgaris) hat sich auf fast allen Probeflächen aus dem natürlichen Samen­vorrat im Boden neu etabliert, einzelne Pflanzen blühten bereits 2024. Das widerlegt die verbreitete Annahme, Heide-Wieder­herstellung sei dort aussichts­los, wo die Vegetation durch fehlende Pflege verloren gegangen ist.

Die Rohsand­böden haben sich in kurzer Zeit zu arten­reichen Lebens­räumen entwickelt. Neben der Besen­heide siedelten sich auf den fünf Probeflächen weitere 25 Gefäß­pflanzen- und 16 Moos­arten an. Im Durchschnitt wuchsen pro Fläche knapp 18 Arten, die Gesamt­deckung aller Pflanzen lag bei rund 32 Prozent. Die Natur nutzt den gewonnenen Raum schnell und konsequent.

Der seltene Schnellkäfer (Negastrius sabulicola) ist eine von 59 neu gefundenen Arten in der Tangersdorfer Heide.

Fast 60 neue Artenfunde

Im laufenden Jahr wurden in der Tangers­dorfer Heide 59 Arten neu nach­gewiesen. Darunter sind bemerkens­werte Käfer­arten wie der Rot­köpfige Linien­bock (Oberea erythrocephala) und der Schnell­käfer Negastrius sabulicola, der typisch für Sand­dünen ist und auf der Vor­warn­liste steht. Bei den Pflanzen wurde der Haar-Ginster (Genista pilosa) erstmals für das Gebiet dokumentiert. Jeder neue Fund unter­streicht den wachsenden öko­logischen Wert der Heide­landschaft.

Der sehr gefährdete, seltene Rotköpfige Linienbock (Oberea erythrocephala) lebt ebenfalls in der Tangersdorfer Heide.

Rund 550 Arten

Wildbienen- und Wespenarten wurden in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide gefunden

Ein besonderer Fund: Die bundesweit vom Aussterben bedrohte Pupurgoldwespe (Euchroeus purpuratus) wurde nach über 25 Jahren in der Döberitzer Heide wiederentdeckt.

Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide

Artenrekorde bei Wildbienen und Wespen

Die Döberitzer Heide ist das artenreichste Gebiet Brandenburgs, wenn es um Wild­bienen und Wespen geht. Das belegt ein Gutachten des Wild­bienen­experten Dr. Christoph Saure, der auf zwei Untersuchungs­flächen zwölf bisher dort unbekannte Arten nachweisen konnte.

Besonders bemerkenswert ist die Wieder­entdeckung der Purpur­gold­wespe (Euchroeus purpuratus), die in der Döberitzer Heide über 25 Jahre lang als verschollen galt. Die bundes­weit vom Aus­sterben bedrohte Art legt ihre Eier in die Nester von Grab­wespen, wo ihre Larven die Nach­kommen des Wirts verdrängen. Dass sie nun zurückgekehrt ist, wertet Dr. Saure als deutliches Zeichen dafür, dass die Pflege­maßnahmen der Heinz Sielmann Stiftung in der Döberitzer Heide wirken.

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Nachts unterwegs für den Artenschutz

In der Döberitzer Heide werden Fleder­mäuse das ganze Jahr über beobachtet und gezählt. Ehren­amtliche fingen im September 2025 in einer einzigen Nacht 17 Tiere aus fünf Arten. Auf dem ehemaligen Truppen­übungs­platz finden die Tiere ein reiches Nahrungs­angebot und Rück­zugs­orte in alten Bunkern. Noch beeindruckender sind die Zahlen für die Winter­quartiere: 302 Fleder­mäuse aus sechs Arten zählte der ehren­amtliche Fleder­maus­experte Klaus Thiele im Februar – und damit 37 mehr als im Vorjahr. Er kontrolliert die unter­irdischen Quartiere seit über 25 Jahren. Insgesamt leben 13 Fleder­maus­arten in der Döberitzer Heide.

Die Fransenfledermaus (Myotis nattereri) hat in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide ihr Quartier.

Wie der Klima­wandel die Land­schaft verändert

Seit 2007 dokumentieren Jörg Fürstenow und Wolfgang Linder auf festen Mess­flächen im Ferbitzer Bruch, wie sich die Vegetation verändert. Ihre nun 19 Jahre umfassende Zeit­reihe ist einmalig und zeigt deutlich, wie sich der Klimawandel im Niedermoor auswirkt: Die Wasser­verhältnisse im Boden geraten zunehmend aus dem Gleich­gewicht und das hat direkte Auswirkungen auf die Pflanzen­welt. Charakteristische Arten wie Knaben­kräuter (Dactylorhiza spp.) verschwinden, selbst das früher dominierende Pfeifen­gras (Molinia caerulea) ist auf dem Rückzug. Stattdessen breiten sich Pflanzen trockenerer Stand­orte wie der Rot-Schwingel (Festuca rubra) aus.

Die Rotbauchunke (Bombina bombina) zählt weiterhin zu den stark gefährdeten Amphibien. Einer der Gründe liegt in der Entwässerung, besonders in Auenlebensräumen, die zum Verlust geeigneter Laichgewässer führt.

Ruft die Unke noch?

Im Ferbitzer Bruch konnte an sechs von 17 besuchten Klein­gewässern die Rot­bauch­unke (Bombina bombina) festgestellt werden. Insgesamt waren 12 bis 14 Männchen, sogenannte “Rufer” zu hören. Dies ist ein ähnliches Ergebnis wie im Vorjahr (fünf Gewässer, 12 Rufer). Die Bestände der bundes­weit stark gefährdeten Art stehen durch die zunehmende Trockenheit stark unter Druck. Auch die Population im Ferbitzer Bruch ist über die letzten Jahre spürbar eingebrochen.

Wisente und Przewalski-Pferde als Land­schafts­pfleger

Parallel dazu untersuchen Jörg Fürstenow und Wolfgang Linder auf sieben Dauer­flächen in der Kern­zone, wie Wisente (Bison bonasus) und Przewalski-Pferde (Equus ferus przewalskii) die Vegetation prägen. Auch diese Zeit­reihe reicht zurück bis ins Jahr 2007. Die Ergebnisse sind ermutigend: Die Groß­herbivoren erhalten die pflanzliche Arten­vielfalt, fördern typische Arten der Sand­magerrasen und Heiden und halten gleichzeitig das Auf­kommen von Gehölzen in Schach. Dort wo sich alte Wälder über lange Zeit ungestört entwickeln konnten, findet man sogenannte Urwald­arten. Im Juli gelang ein Lebend­nachweis des Eremiten (Osmoderma eremita) durch die Ehren­amtliche Daniela Erler.

Aufgrund seiner eingeschränkten Ausbreitungsfähigkeit ist es wichtig, dass für aktuelle Vorkommen des Eremiten (Osmoderma eremita) geeignete Brutbäume nachwachsen, um seine Vorkommen langfristig erhalten zu können.

Die Rötliche Eulenraupenfliege (Eriothrix rufomaculata) ist eine einjährig auftretende Art. Die Fliegen sind von Juli bis Oktober anzutreffen. Sie ernähren sich von Blütennektar und Pollen und besuchen insbesondere Pflanzen aus den Familien der Doldenblütler (Apiaceae) und Korbblütler (Asteraceae).

Zahlreiche Neue auf der Arten­liste

Dank zahlreicher Neu­entdeckungen, unter anderem aus der Gruppe der Zwei­flügler wie Rötliche Eulen­raupen­fliege (Eriothrix rufomaculata), Braune Mulm­schweb­fliege (Brachypalpus laphriformis) und Gemeinem Grau­wicht (Lasiopogon cinctus), konnten über 150 Arten neu für die Döberitzer Heide nachgewiesen werden.

Vogelmonitoring in Brandenburg

Stiftungsweit beträgt die Anzahl der begangenen standardisierten Zähl­routen des Monitorings häufiger Brut­vögel in Schutz­gebieten (MhB-S) im Jahr 2025 insgesamt 26. In der Döberitzer Heide wurden zwölf Routen bearbeitet, in der Kyritz-Ruppiner Heide vier, in Groß Schauen und der Tangers­dorfer Heide je zwei. Weiterhin wurden vier Specht­routen (MhB-Specht) bearbeitet, davon zwei Routen in der Kyritz-Ruppiner Heide, eine in Wanninchen und eine in der Döberitzer Heide.

Auch 2025 erfolgte die Beringung von jungen Seeadlern (Haliaeetus albicillus) in der Döberitzer Heide.

Eine Beringung wird streng kontrolliert und nur von vogelkundlich qualifizierten Personen durchgeführt.

Die Beringung von Seeadlern ist ein zentrales Instrument zur Erforschung der Bestandsentwicklung, der Lebenserwartung und der Wanderwege.

Rekordjahr für den Wiedehopf

2025 war ein Rekordjahr für den Wiedehopf (Upupa epops) in der Döberitzer Heide: Tim Funkenberg von der Heinz Sielmann Stiftung und der ehrenamtliche Vogelberinger Robert Stein beringten 72 Jungvögel – so viele wie nie zuvor seit Beginn des Monitorings im Jahr 2021. In 16 Gelegen zählten sie insgesamt 106 Eier. Der Erfolg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis gezielter Landschafts­pflege. Seit 2010 halten Wisente, Przewalski-Pferde sowie Rinder und Schafe die Heide­landschaft offen und schaffen damit genau jene Strukturen, auf die der wärme­liebende Vogel angewiesen ist. Ergänzend werden Nist­kästen ausgebracht und regelmäßig kontrolliert. Brandenburg beherbergt rund die Hälfte des gesamten deutschen Wiedehopf­bestands.

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Gebäude als Lebensraum

Bei der erstmalig stattfindenden Beringung von Rauchschwalben (Hirundo rustica) rund um das Natur-Erlebniszentrum und den Wirtschaftshof in der Döberitzer Heide wurden 41 Rauchschwalben-, neun Hausrotschwanz-, und drei Bachstelzen-Küken beringt.

Die große Arteninventur

Die Heinz Sielmann Stiftung arbeitet kontinuierlich daran, das Arten­inventar ihrer Natur­landschaften möglichst umfassend zu erfassen. Dazu werden aktuelle Monitoring­berichte und die Ergebnisse älterer Unter­suchungen kontinuierlich zusammen­getragen und verglichen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse helfen auch bei der Planung weiterer Maßnahmen und Projekte.

Monitoring­fläche
Arten­zahl 2024
Arten­zahl 2025
Ver­ände­rung zum Vorjahr
Döberitzer Heide
6.703
6.854
+151
Kyritz Ruppiner Heide
2.321
2.450
+129
Tangersdorfer Heide
1.183
1.242
+59
Groß Schauener Seen
1.633
1.663
+30
Wanninchen
1.636
2.313
+667

Sielmanns Biotop­verbünde

Ein Netz aus Lebens­räumen

Neben den großen Natur­landschaften in Brandenburg unterhält die Heinz Sielmann Stiftung mittlerweile sieben Biotop­verbünde in Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Niedersachsen. Sie bilden für viele Arten wichtige Tritt­stein­biotope und Wander­korridore. Die Arten­zusammen­setzung der Biotop­verbünde wird ebenfalls schrittweise systematisch erfasst.

Sielmanns Biotopverbund Nette

Libellen fühlen sich wohl

Im Sommer fand an Uferabschnitten der Nette eine Libellen-Kartierung auf 20 Transekten statt. Dabei wurden insgesamt 23 Arten festgestellt, darunter die Grüne Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia) und die Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii).

Die Aufarbeitung von Vegetations­kartierungen aus 2024 für die Gebiete Schlörbach Rhüden lieferte 64 Gefäß­pflanzen- und 20 Moos­arten; und für die Kirschweide mit Nette-Aue bei Seesen-Bornhausen 95 Gefäß­pflanzen- und 28 Moos­arten, darunter die seltenen Tortula papillosa (gefährdet) und Frullania dilatata (Vor­warn­liste).

Eine Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii). Sie zählt mit einer Körperlänge von bis zu 8 und einer Flügelspannweite von rund 11 Zentimetern zu den größten heimischen Libellenarten.

Der Status der Dunklen Lockensandbiene (Andrena apicata) ist mehr als besorgniserregend. Um so erfreulicher, diese Art 2025 auf den Flächen der Heinz Sielmann Stiftung nachgewiesen zu haben.

Sielmanns Biotopverbund Grünes Band Eichsfeld-Werratal

Wildbienen und Fledermäuse im Fokus

Der abschließende Bericht zu einem Wild­bienen-Monitoring aus 2024 wurde vorgelegt und umfasst Nachweise zu insgesamt 107 Arten. Darunter zwei besonders schutzbedürftige: die stark gefährdete Blaue Ehren­preis-Sand­biene (Andrena viridescens) und die vom Aus­sterben bedrohte Dunkle Locken­sand­biene (Andrena apicata).

Das akustische Fleder­maus­monitoring an sechs Standorten über neun Nächte ergab Hinweise auf bis zu 13 Arten, am häufigsten war die Zwerg­fleder­maus (Pipistrellus pipistrellus) vertreten. Auch Großer Abend­segler (Nyctalus noctula), Rauhaut­fleder­maus (Pipistrellus nathusii) und Mops­fleder­maus (Barbastella barbastellus) wurden erfasst.

107 Arten

an Wildbienen wurden gefunden

Die Pflanzenwelt im Blick

Zwei Bachelorarbeiten der Universität Göttingen lieferten im Sommer 2025 neue Daten vom ehemaligen Grenzstreifen bei Ecklingerode: Während eine Arbeit die Vegetation auf rund 20 Dauer­flächen dokumentierte, untersuchte die andere die Ausbreitung von Problem­arten wie Vielblättriger Lupine, Schlehe und Land-Reit­gras. Ergänzend wurden eigene Vegetations­kartierungen aus mehreren Gebieten ausgewertet. Auf dem Friedhof Hanstein fanden sich dabei 33 Moos­arten auf alten Steinen, darunter zwei bemerkens­werte Selten­heiten: Zart­nerviges Haar­blatt­moos (Cirriphyllum tomasinii) und Dünn­ästiger Wolfs­fuß (Anomodon attentuatus).

Dünnästiges Trugzahnmoos bzw. Dünnästiger Wolfsfuß (Anomodon attentuatus) wird dieses Moos genannt. Ökologisch betrachtet spielen alle Moose ‒ trotz ihrer geringen Größe ‒ eine fundamentale Rolle als Pionierpflanzen, Wasserspeicher und Klimaregulatoren.

Der Rothörnige Moosgroßhalbflügler (Hesperus rufipennis) ist eine sogenannten Urwald-Reliktart. Dieser Käfer kann nur dann überleben, wenn er über viele Jahrhunderte hinweg ununterbrochen alte Bäume und entsprechende Totholz-Lebensräume vorfindet.

Sielmanns Waldbiotop Schwäbische Alb

Alter Wald und besondere Käfer

Seit 2019 besitzt die Heinz Sielmann Stiftung Teile eines besonderen Waldes auf der Schwäbischen Alb in Baden-Württemberg. Dort, hinter dem malerischen Schloss Weißenstein, befindet sich eine kleine Schatzkammer der Arten­vielfalt. Die Gesamtzahl bekannter Arten im Weißensteiner Wald­biotop beträgt aktuell 1.743. Für das nur etwa 95 Hektar große Gebiet ist das eine beeindruckende Zahl.

Die ökologische Wertigkeit des Gebiets zeigt sich insbesondere bei sogenannten Urwald-Relikt­arten. Bei einer Holz­käfer-Untersuchungen wurden 320 Käfer­arten neu für das Gebiet nachgewiesen. Hervorzuheben sind die Urwald­relikt­arten wie Reitters Rinden­käfer (Synchita separanda), Baum­schwamm­käfer (Mycetophagus fulvicollis) oder Kerb­halsiger Zunder­schwamm-Schwarz­käfer (Bolitophagus reticulatus).

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1.743 Arten

wurden bisher in Sielmanns Waldbiotop Schwäbische Alb gefunden

Sielmanns Biotopverbünde Ostbayern

Gesunde Feuersalamander-Population entdeckt!

Auf einer neu erworbenen Fläche im nieder­bayerischen Landkreis Passau haben Experten eine ungewöhnlich große Population des Feuer­salamanders (Salamandra salamandra) entdeckt. Die rund 30 Hektar bieten genau das, was die in Bayern gefährdete Art braucht: feuchte Senken, Quell­bäche, viel Tot­holz und struktur­reichen Laub­wald. Das ist keine Selbst­verständlichkeit, denn der ein­geschleppte Haut­pilz Bsal hat in Teilen West­europas bereits ganze Bestände aus­gelöscht und breitet sich weiter aus. Jede gesunde Population gilt daher als potenzieller Rettungs­anker. Die Tiere könnten im Idealfall als genetische Reserve für die Wieder­besiedlung anderer Regionen dienen.

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Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) ist in ganz Europa anzutreffen, hat aber in Deutschland noch seinen Schwerpunkt. Aus diesem Grund trägt Deutschland eine besondere Verantwortung für den Schutz dieser Art.

Der extrem seltene Schwarze Bombardierkäfer (Aptinus bombarda) verschießt zur Abwehr ein Gas. Diese biochemische Abwehr ist gegenüber kleinen Fressfeinden wie Kröten, Spinnen oder Ameisen hochwirksam.

Ein explosiver Fund

Im selben Gebiet wurde bei einem Käfer­monitoring der Schwarze Bombardier­käfer (Aptinus bombarda) nachgewiesen, eine in Deutschland extrem seltene Art. Bekannt ist er für seine spektakuläre Verteidigung: In einer Art Explosions­kammer im Hinter­leib mischt er zwei chemische Stoffe zu einem rund 100 Grad heißen, ätzenden Gas, das er bis zu 30 Zentimeter weit an Fress­feinde feuern kann. Bislang gab es Nachweise fast nur im Donau­tal. Der neue Fund­ort im Ilz­tal liegt rund 20 Kilometer davon entfernt und deutet darauf hin, dass die Ilz als Aus­breitungs­route dient. Gemeinsam mit dem zuvor gemeldeten Feuer­salamander-Vorkommen zeigt der Fund, welchen außergewöhnlichen Wert diese 30 Hektar große Fläche für den Arten­schutz hat.

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Waldeidechsen (Zootoca vivipara) legen keine Eier, sondern sind als einzige der heimischen Eidechsenarten „lebendgebärend“.

Dem Wasser folgt Artenvielfalt

Auf einer Projektfläche am Saußbach, auf der die Heinz Sielmann Stiftung zahlreiche Kleingewässer wiederhergestellt hat, ist offenbar ein neuer Hotspot für die Fortpflanzung des Gras­frosches (Rana temporaria) entstanden. In den Gewässern wurden mehr als 130 Laich­ballen der Frosch­art gezählt. Daneben wurden auch Larven des Berg­molchs (Ichthyosaura alpestris) festgestellt. Vorkommen der Ringel­natter (Natrix natrix), Wald­eidechse (Zootoca vivipara) und Blind­schleiche (Anguis fragilis) wurden ebenfalls kartiert. Die große Verfügbarkeit von Amphibien hat einen Schwarz­storch (Ciconia nigra) als Nahrungs­gast ins Gebiet am Saußbach gelockt. Auch der Luchs (Lynx lynx) ließ sich bereits auf der wieder­vernässten Fläche blicken. Beide Tiere tappten in eine Kamera­falle.

Der langfristige Bestandstrend für den Grasfrosch (Rana temporaria) wird als sehr stark rückläufig bewertet. Die noch vergleichsweise häufige Art hat in den letzten 130 Jahren Bestandseinbußen von teilweise über 90 Prozent erlitten.

Sielmanns Biotopverbünde Südbayern

Artenvielfalt auf der Hochkien­berg­alm

Bei den Balzplatz­zählungen 2025 wurden drei Haupt­balzplätze und drei Neben­balzplätze des Birk­huhns (Lyrurus tetrix) ermittelt. Insgesamt wurden dabei 11 balzende Hähne sowie sieben Hennen gezählt. In dem Zuge wurden im Gebiet auch ein Hasel­huhn-Paar (Tetrastes bonasia), Wald­kauz (Strix aluco), Alpen-Meise (Poecile montanus montanus) und Ring­drosseln (Turdus torquatus) festgestellt.

Auf zwölf jeweils fünf mal fünf Meter großen Dauer­flächen werden jährlich Vegetations­aufnahmen durchgeführt. Insgesamt wurden bei dieser ersten Kartierung 118 Pflanzen­arten aufgenommen. Auch besondere Arten wie Geflecktes Knaben­kraut (Dactylorhiza maculata), Narzissen-Wind­röschen (Anemone narcissiflora) und Kalk-Glocken­Enzian (Gentianan clusii) wurden erfasst.

Weitere Beobachtungen bei einer kurzen Begehung im September waren Fichten­kreuz­schnäbel (Loxia curvirostra), Fransen-Enzian (Gentianella ciliata), Aller­manns­harnisch (Allium victorialis), Schwalben­wurz-Enzian (Gentiana asclepiadea), Feld-Enzian (Gentianella campestris) und Alpen-Hecken­kirsche (Lonicera alpigena).

Bestandsaufnahme an Amphibiengewässern

Innerhalb der Sielmanns Biotop­verbünde Südbayern sind 2025 insgesamt zehn Amphibien­arten nachgewiesen worden. Neben Arten wie Erd­kröte (Bufo bufo), Berg­molch (Ichthyosaura alpestris), Teich­molch (Lissotriton vulgaris), Gras­frosch (Rana temporaria), und Teich­frosch (Pelophylax esculentus) wurde auch der streng geschützte Spring­frosch (Rana dalmatina) nachgewiesen. Ein zentrales Ziel der Heinz Sielmann Stiftung in Südbayern ist der Schutz und die Förderung von Lebens­räumen für bedrohte Amphibien. Gemeinsam mit der Margarete-Ammon-Stiftung und weiteren Partnern arbeitet die Stiftung an der Entwicklung eines Gewässer­verbunds im Münchener Umland. Bisher wurden Klein­gewässer an 61 Stand­orten neu geschaffen oder revitalisiert.

Als eine wärmeliebende Art bevorzugt der Springfrosch (Rana dalmatina) gut besonnte Kleingewässer, wie zum Beispiel einen Waldtümpel. Zur Eiablage und im Sommer wandert der Frosch in Waldgebiete ab - oft weit weg vom Wasser.

Die Große Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes) ist eine seltene, streng geschützte heimische Orchidee. In Bayern gilt sie als stark gefährdet bis vom Aussterben bedroht. Sie ist vor allem auf Halbtrockenrasen und in lichten Kiefernwäldern anzutreffen.

Besondere Orchideen in der Pupplinger Au

Bei einem Monitoring zu Effekten der Beweidung auf Vegetations­entwicklung und Frauenschuh-Vorkommen (Cypripedium calceolus) wurden 98 Gefäß­pflanzen wie Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes) und neun Moos­arten festgestellt. Der Vergleich zu vorigen Kartierungen zeigt: Während die Arten­dichte auf den Flächen konstant hoch blieb, konnte eine deutliche Abnahme der Streu­auflage im Vergleich zu den Vorjahren festgestellt werden. Die Verbiss­schäden an Frauenschuh-Vorkommen blieben dagegen erfreulich gering.

Der wärmeliebende Dungkäfer Euoniticellus fulvus ist eine extrem seltene Art und auf naturnahe Beweidungsflächen angewiesen.

Sielmanns Biotopverbünde Bodensee-Region

Seit Juni 2024 beweiden Galloway-Rinder die Lipperts­reuter Weiher­landschaft bei Überlingen, einem ehemaligen Mais­acker, der ab 2020 mit fünf neu angelegten Weihern zu einem Natur­refugium umgestaltet wurde. Schon nach einem Jahr extensiver Beweidung zeigte sich, wie wirkungsvoll diese Maßnahme ist: Experten entdeckten den seltenen Dung­käfer Euoniticellus fulvus, der besonders empfindlich auf Ent­wurmungs­mittel reagiert und daher nur in natur­belassenem Dung vorkommt. Dung­käfer zersetzen Kot, lockern den Boden und sind Nahrungs­quelle für viele andere Tiere, stehen aber durch intensive Weide­haltung und Medikamenten­einsatz europaweit unter Druck.

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Auf einer Fläche für ein Laubfroschprojekt im baden-württembergischen Kißlegg Sommersried wurde der wärmeliebende Stahlblaue Grillenjäger (Isodontia mexicana) entdeckt. Diese Art wandert stetig weiter nordwärts.

Göttinger Biotoplandschaft am Flüthewehr

Besondere Arten vor der Wildtierkamera

Dank unserer Wild­kameras erhielten wir auch in diesem Jahr wertvolle Erkenntnisse über Fisch­otter, Biber & Co vom Ufer der Leine am Flüthewehr. So wurde Anfang des Jahres starke Bautätigkeit an Biber­burgen dokumentiert. Fisch­otter (Lutra lutra) waren als Nahrungs­gäste mehrfach im Gebiet. Außerdem gelangen erstmals Nachweise des sehr scheuen Iltisses (Mustela putorius) sowie der seltenen Wild­katze (Felis silvestris). Sogar ein Wald­wasser­läufer (Tringa ochropus) wurde aufgezeichnet.

Wildtierkameras bieten ein kontinuierliches und objektives Monitoring. Die Kameras erfassen automatisiert tag- und nachtaktive Tierarten und liefern so unverzichtbare Daten für das Wildtiermanagement, den Artenschutz und die Verhaltensforschung, ohne die Tiere im Lebensraum zu stören.

23 Libellenarten nachgewiesen

Auch in diesem Jahr wurde ein Libellen­monitoring ehrenamtlich durchgeführt. Unter den diesjährigen Beobachtungen mit insgesamt 18 Arten waren mit Früher Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii), Gemeiner Winter­libelle (Sympecma fusca), Helm-Azur­jungfer (Coenagrion mercuriale) und Westlicher Keil­jungfer (Gomphus pulchellus) vier Arten dabei, die erstmals auf der Projektfläche festgestellt wurden. Damit steigt die Gesamtzahl der bisher an der Leine kartierten Arten auf 23.

Kontakt

Dr. Jörg Müller

Ökologisches Monitoring

Tel. +49 (0)5527 914-422 Mobil: +49 (0)151 61556122 joerg.mueller@sielmann-stiftung.de

Zur Döberitzer Heide 9 14641 Wustermark / OT Elstal

DIE 17 GLOBALEN ZIELE FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

In zahlreichen Projekten übernimmt die Heinz Sielmann Stiftung globale Verantwortung und setzt lokale Maßnahmen um, die dazu beitragen, unsere Welt nachhaltig zu gestalten.

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