Artenvielfalt erfassen und sichtbar machen
Ökologisches Monitoring
Wer Natur schützen will, muss sie zuerst verstehen. Deshalb erfasst die Heinz Sielmann Stiftung in ihren Naturlandschaften und Biotopverbünden systematisch, welche Arten vorkommen, wie sich ihre Bestände entwickeln und wie die Landschaft auf Pflegemaßnahmen reagiert.
Langjährige Messreihen machen Veränderungen sichtbar, die sich dem flüchtigen Blick entziehen. So zeigt eine seit 2007 laufende Vegetationsstudie im Ferbitzer Bruch, wie der Klimawandel die Pflanzenwelt des Niedermoors radikal verändert. Gleichzeitig liefert das Monitoring Erfolgsnachrichten: In der Döberitzer Heide wurden über 550 Wildbienen- und Wespenarten gezählt. In Wanninchen tauchten drei Arten wieder auf, die in Brandenburg als ausgestorben galten. Diese Zahlen sind Belege für den Erfolg der Arten- und Landschaftsschutzmaßnahmen der Heinz Sielmann Stiftung – und zugleich eine wichtige Grundlage für alle weiteren naturschutzfachlichen Planungen.
Die Heidekraut-Seidenbiene (Colletes succinctus) profitiert von den Flächen in der Döberitzer Heide bei Berlin.
Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen
Verschollene Wildbienen und Wespen wiederentdeckt
In den Mooren von Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen haben Forschende insgesamt 210 Wildbienen- und Wespenarten nachgewiesen, darunter viele stark gefährdete und drei Arten, die in Brandenburg bislang als verschollen oder ausgestorben galten. Dass sie hier unbemerkt überlebt haben, verdanken sie dem vielfältigen Mosaik aus Moorlandschaft, altem Wald und offenen Flächen. Die Moore waren durch den Braunkohlebergbau ab den 1970er Jahren jahrzehntelang stark geschädigt worden. Erst seit dem Erwerb durch die Heinz Sielmann Stiftung im Jahr 2000 erholen sie sich wieder. Die Zahlen sprechen für sich: Fast jede fünfte in den Mooren nachgewiesene Art gilt in Brandenburg als gefährdet, gut jede zehnte steht auf der bundesweiten Roten Liste.
Zimmerleute des Waldes ausgelauscht
Im Görlsdorfer Wald wurden im Rahmen des im Frühjahr stattfindenden Spechtmonitorings fünf Spechtarten nachgewiesen. Das Ergebnis unterstreicht die Bedeutung des Waldes als strukturreichen Lebensraum, denn Spechte sind anspruchsvoll und gelten als Zeigertiere für intakte, totholzreiche Wälder.
Der Mittelspecht (Leiopicus medius) wurde bei einem Spechtmonitoring im Naturschutzgebiet Görlsdorfer Wald in Brandenburg nachgewiesen.
Wölfe mit Nachwuchs
Das Wolfsmonitoring lieferte erfreuliche Ergebnisse: In der Tornower Niederung wurde eine Familie mit sieben Welpen dokumentiert, im Heidegrund Grünswalde eine weitere mit mindestens vier Jungtieren. Darüber hinaus gab es Einzelnachweise im Bereich des Naturschutzgebiets Wanninchen.
Eigentlich ein Brutvogel des hohen Nordens, brütet der Singschwan (Cygnus cygnus) mittlerweile auch im Osten Deutschlands. In Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen wurden im Jahr 2025 insgesamt 264 Singschwäne gezählt.
Singschwäne kehren zurück
In der Tornower Niederung und an den Bornsdorfer Teichen brütete je ein Singschwan-Paar (Cygnus cygnus) erfolgreich. Ein weiteres Revierpaar wurde ebenfalls in der Tornower Niederung festgestellt, Einzelbeobachtungen gelangen im Bergen-Weißacker Moor. Der Singschwan ist ein anspruchsvoller Brutvogel, sein Vorkommen spricht für die Qualität der Feuchtgebiete in der Region.
Die Männchen des Kleinen Heidegrashüpfers (Stenobothrus stigmaticus) werden höchstens 15 mm lang und bevorzugen trockenen Magerrasen.
Neue Erkenntnisse aus den Mooren
In Kooperation mit der Universität Hildesheim wurden die Moore Wanninchens auf ihre Insektenwelt hin untersucht. Die veröffentlichten Ergebnisse zu Libellen und Heuschrecken verzeichnen bemerkenswerte Funde, darunter den Kleinen Heidegrashüpfer (Stenobothrus stigmaticus) und die Südliche Mosaikjungfer (Aeshna affinis), zwei Arten, die auf gut erhaltene, offene Moorlandschaften angewiesen sind.
Die Südliche Mosaikjungfer (Aeshna affinis) bewohnt Gewässer, die im Winterhalbjahr Wasser führen und im Laufe des Sommers meist austrocknen.
Sielmanns Naturlandschaft Groß Schauener Seen
Spannende Erstsichtungen an den Groß Schauener Seen
Seltene Pflanzen warten im Boden auf die richtigen Bedingungen
Die Master-Arbeit von Daria Wienen (Universität Potsdam) „Effects of Salinity in the Vegetation Composition and Seed Banks of the Woppusch Peninsula and the Surrounding Inland Salt Marshes in Brandenburg“ ist eine aktuelle vegetationskundliche Arbeit. In diesem Rahmen wurde der Kriechende Sellerie (Apium repens) als seltene Charakterart von Salzwiesen aus der Samenbank einer Bodenprobe vom Woppusch nachgewiesen.

Im Rahmen einer Master-Arbeit wurde die seltene Zusammengedrückte Quellbinse (Blysmus compressus) gefunden.
Rohrdommeln werden synchron gezählt
An einem milden, windstillen Abend im Mai wurde an der Groß Schauener Seenkette eine von der Naturwacht organisierte Rohrdommel-Synchronzählung mit Unterstützung zahlreicher Ehrenamtlicher durchgeführt. Dabei wurden insgesamt zehn rufende Rohrdommel-Männchen (Botaurus stellaris) nachgewiesen und damit eines mehr als 2024.
Rohrdommeln (Botaurus stellaris) halten sich meist im Schilf versteckt. Die Männchen sind aber an ihrem Ruf, einem tiefen „Whuump“, gut auszumachen.
Während eines Insekten- und Spinnen-Monitoring in der Kyritz Ruppiner Heide ging auch die sehr seltene und stark gefährdete Goldaugenspringspinne (Philaeus chrysops) „ins Netz“.
Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide
Was krabbelt denn da?
Zwischen Mai 2024 und April 2025 wurde in der Kyritz-Ruppiner Heide an drei Waldstandorten ein umfassendes Insekten- und Spinnenmonitoring durchgeführt. Nachgewiesen wurden 30 Laufkäferarten und bemerkenswerte 148 Spinnenarten, darunter mehrere seltene Vertreter wie der Feld-Dammläufer (Nebria salina) und die Rote Glanzspinne (Hypsosinga sanguinea).
Der Vergleich mit einem früheren Monitoring offener Heidebereiche aus dem Jahr 2021 fällt eindeutig aus: Obwohl die Fangzeit in der Heide mit zwölf Wochen weit kürzer war als die 52 Wochen im Wald, wurden dort mit 69 Laufkäfer- und 179 Spinnenarten deutlich mehr Arten gefunden. Zehn Rote-Liste-Laufkäferarten stehen in der Heide nur vier aus dem Wald gegenüber, bei den Spinnen sind es 50 zu sechs.
Die Zahlen bestätigen, was Naturschützer seit Langem betonen: Eine intakte Heidelandschaft ist für viele spezialisierte Tierarten ein wertvoller Lebensraum, der in der intensiv genutzten Kulturlandschaft kaum noch zu finden ist. Laufkäfer und Spinnen gelten als verlässliche Zeigertiere für den ökologischen Zustand eines Lebensraums.
Sielmanns Naturlandschaft Tangersdorfer Heide
Samenbank überdauert im Boden
2023 wurden in ehemaligen Kiefernbeständen Rohsandböden freigelegt. Eine Vegetationserfassung im Mai 2025 zeigt: Die Besenheide (Calluna vulgaris) hat sich auf fast allen Probeflächen aus dem natürlichen Samenvorrat im Boden neu etabliert, einzelne Pflanzen blühten bereits 2024. Das widerlegt die verbreitete Annahme, Heide-Wiederherstellung sei dort aussichtslos, wo die Vegetation durch fehlende Pflege verloren gegangen ist.
Die Rohsandböden haben sich in kurzer Zeit zu artenreichen Lebensräumen entwickelt. Neben der Besenheide siedelten sich auf den fünf Probeflächen weitere 25 Gefäßpflanzen- und 16 Moosarten an. Im Durchschnitt wuchsen pro Fläche knapp 18 Arten, die Gesamtdeckung aller Pflanzen lag bei rund 32 Prozent. Die Natur nutzt den gewonnenen Raum schnell und konsequent.
Der seltene Schnellkäfer (Negastrius sabulicola) ist eine von 59 neu gefundenen Arten in der Tangersdorfer Heide.
Fast 60 neue Artenfunde
Im laufenden Jahr wurden in der Tangersdorfer Heide 59 Arten neu nachgewiesen. Darunter sind bemerkenswerte Käferarten wie der Rotköpfige Linienbock (Oberea erythrocephala) und der Schnellkäfer Negastrius sabulicola, der typisch für Sanddünen ist und auf der Vorwarnliste steht. Bei den Pflanzen wurde der Haar-Ginster (Genista pilosa) erstmals für das Gebiet dokumentiert. Jeder neue Fund unterstreicht den wachsenden ökologischen Wert der Heidelandschaft.
Der sehr gefährdete, seltene Rotköpfige Linienbock (Oberea erythrocephala) lebt ebenfalls in der Tangersdorfer Heide.
Rund 550 Arten
Wildbienen- und Wespenarten wurden in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide gefunden
Ein besonderer Fund: Die bundesweit vom Aussterben bedrohte Pupurgoldwespe (Euchroeus purpuratus) wurde nach über 25 Jahren in der Döberitzer Heide wiederentdeckt.
Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide
Artenrekorde bei Wildbienen und Wespen
Die Döberitzer Heide ist das artenreichste Gebiet Brandenburgs, wenn es um Wildbienen und Wespen geht. Das belegt ein Gutachten des Wildbienenexperten Dr. Christoph Saure, der auf zwei Untersuchungsflächen zwölf bisher dort unbekannte Arten nachweisen konnte.
Besonders bemerkenswert ist die Wiederentdeckung der Purpurgoldwespe (Euchroeus purpuratus), die in der Döberitzer Heide über 25 Jahre lang als verschollen galt. Die bundesweit vom Aussterben bedrohte Art legt ihre Eier in die Nester von Grabwespen, wo ihre Larven die Nachkommen des Wirts verdrängen. Dass sie nun zurückgekehrt ist, wertet Dr. Saure als deutliches Zeichen dafür, dass die Pflegemaßnahmen der Heinz Sielmann Stiftung in der Döberitzer Heide wirken.
Nachts unterwegs für den Artenschutz
In der Döberitzer Heide werden Fledermäuse das ganze Jahr über beobachtet und gezählt. Ehrenamtliche fingen im September 2025 in einer einzigen Nacht 17 Tiere aus fünf Arten. Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz finden die Tiere ein reiches Nahrungsangebot und Rückzugsorte in alten Bunkern. Noch beeindruckender sind die Zahlen für die Winterquartiere: 302 Fledermäuse aus sechs Arten zählte der ehrenamtliche Fledermausexperte Klaus Thiele im Februar – und damit 37 mehr als im Vorjahr. Er kontrolliert die unterirdischen Quartiere seit über 25 Jahren. Insgesamt leben 13 Fledermausarten in der Döberitzer Heide.
Die Fransenfledermaus (Myotis nattereri) hat in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide ihr Quartier.
Wie der Klimawandel die Landschaft verändert
Seit 2007 dokumentieren Jörg Fürstenow und Wolfgang Linder auf festen Messflächen im Ferbitzer Bruch, wie sich die Vegetation verändert. Ihre nun 19 Jahre umfassende Zeitreihe ist einmalig und zeigt deutlich, wie sich der Klimawandel im Niedermoor auswirkt: Die Wasserverhältnisse im Boden geraten zunehmend aus dem Gleichgewicht und das hat direkte Auswirkungen auf die Pflanzenwelt. Charakteristische Arten wie Knabenkräuter (Dactylorhiza spp.) verschwinden, selbst das früher dominierende Pfeifengras (Molinia caerulea) ist auf dem Rückzug. Stattdessen breiten sich Pflanzen trockenerer Standorte wie der Rot-Schwingel (Festuca rubra) aus.
Die Rotbauchunke (Bombina bombina) zählt weiterhin zu den stark gefährdeten Amphibien. Einer der Gründe liegt in der Entwässerung, besonders in Auenlebensräumen, die zum Verlust geeigneter Laichgewässer führt.
Ruft die Unke noch?
Im Ferbitzer Bruch konnte an sechs von 17 besuchten Kleingewässern die Rotbauchunke (Bombina bombina) festgestellt werden. Insgesamt waren 12 bis 14 Männchen, sogenannte “Rufer” zu hören. Dies ist ein ähnliches Ergebnis wie im Vorjahr (fünf Gewässer, 12 Rufer). Die Bestände der bundesweit stark gefährdeten Art stehen durch die zunehmende Trockenheit stark unter Druck. Auch die Population im Ferbitzer Bruch ist über die letzten Jahre spürbar eingebrochen.
Wisente und Przewalski-Pferde als Landschaftspfleger
Parallel dazu untersuchen Jörg Fürstenow und Wolfgang Linder auf sieben Dauerflächen in der Kernzone, wie Wisente (Bison bonasus) und Przewalski-Pferde (Equus ferus przewalskii) die Vegetation prägen. Auch diese Zeitreihe reicht zurück bis ins Jahr 2007. Die Ergebnisse sind ermutigend: Die Großherbivoren erhalten die pflanzliche Artenvielfalt, fördern typische Arten der Sandmagerrasen und Heiden und halten gleichzeitig das Aufkommen von Gehölzen in Schach. Dort wo sich alte Wälder über lange Zeit ungestört entwickeln konnten, findet man sogenannte Urwaldarten. Im Juli gelang ein Lebendnachweis des Eremiten (Osmoderma eremita) durch die Ehrenamtliche Daniela Erler.
Aufgrund seiner eingeschränkten Ausbreitungsfähigkeit ist es wichtig, dass für aktuelle Vorkommen des Eremiten (Osmoderma eremita) geeignete Brutbäume nachwachsen, um seine Vorkommen langfristig erhalten zu können.
Die Rötliche Eulenraupenfliege (Eriothrix rufomaculata) ist eine einjährig auftretende Art. Die Fliegen sind von Juli bis Oktober anzutreffen. Sie ernähren sich von Blütennektar und Pollen und besuchen insbesondere Pflanzen aus den Familien der Doldenblütler (Apiaceae) und Korbblütler (Asteraceae).
Zahlreiche Neue auf der Artenliste
Dank zahlreicher Neuentdeckungen, unter anderem aus der Gruppe der Zweiflügler wie Rötliche Eulenraupenfliege (Eriothrix rufomaculata), Braune Mulmschwebfliege (Brachypalpus laphriformis) und Gemeinem Grauwicht (Lasiopogon cinctus), konnten über 150 Arten neu für die Döberitzer Heide nachgewiesen werden.
Vogelmonitoring in Brandenburg
Stiftungsweit beträgt die Anzahl der begangenen standardisierten Zählrouten des Monitorings häufiger Brutvögel in Schutzgebieten (MhB-S) im Jahr 2025 insgesamt 26. In der Döberitzer Heide wurden zwölf Routen bearbeitet, in der Kyritz-Ruppiner Heide vier, in Groß Schauen und der Tangersdorfer Heide je zwei. Weiterhin wurden vier Spechtrouten (MhB-Specht) bearbeitet, davon zwei Routen in der Kyritz-Ruppiner Heide, eine in Wanninchen und eine in der Döberitzer Heide.

Auch 2025 erfolgte die Beringung von jungen Seeadlern (Haliaeetus albicillus) in der Döberitzer Heide.

Eine Beringung wird streng kontrolliert und nur von vogelkundlich qualifizierten Personen durchgeführt.

Die Beringung von Seeadlern ist ein zentrales Instrument zur Erforschung der Bestandsentwicklung, der Lebenserwartung und der Wanderwege.
Rekordjahr für den Wiedehopf
2025 war ein Rekordjahr für den Wiedehopf (Upupa epops) in der Döberitzer Heide: Tim Funkenberg von der Heinz Sielmann Stiftung und der ehrenamtliche Vogelberinger Robert Stein beringten 72 Jungvögel – so viele wie nie zuvor seit Beginn des Monitorings im Jahr 2021. In 16 Gelegen zählten sie insgesamt 106 Eier. Der Erfolg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis gezielter Landschaftspflege. Seit 2010 halten Wisente, Przewalski-Pferde sowie Rinder und Schafe die Heidelandschaft offen und schaffen damit genau jene Strukturen, auf die der wärmeliebende Vogel angewiesen ist. Ergänzend werden Nistkästen ausgebracht und regelmäßig kontrolliert. Brandenburg beherbergt rund die Hälfte des gesamten deutschen Wiedehopfbestands.
Gebäude als Lebensraum
Bei der erstmalig stattfindenden Beringung von Rauchschwalben (Hirundo rustica) rund um das Natur-Erlebniszentrum und den Wirtschaftshof in der Döberitzer Heide wurden 41 Rauchschwalben-, neun Hausrotschwanz-, und drei Bachstelzen-Küken beringt.
Die große Arteninventur
Die Heinz Sielmann Stiftung arbeitet kontinuierlich daran, das Arteninventar ihrer Naturlandschaften möglichst umfassend zu erfassen. Dazu werden aktuelle Monitoringberichte und die Ergebnisse älterer Untersuchungen kontinuierlich zusammengetragen und verglichen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse helfen auch bei der Planung weiterer Maßnahmen und Projekte.
Sielmanns Biotopverbünde
Ein Netz aus Lebensräumen
Neben den großen Naturlandschaften in Brandenburg unterhält die Heinz Sielmann Stiftung mittlerweile sieben Biotopverbünde in Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Niedersachsen. Sie bilden für viele Arten wichtige Trittsteinbiotope und Wanderkorridore. Die Artenzusammensetzung der Biotopverbünde wird ebenfalls schrittweise systematisch erfasst.
Sielmanns Biotopverbund Nette
Libellen fühlen sich wohl
Im Sommer fand an Uferabschnitten der Nette eine Libellen-Kartierung auf 20 Transekten statt. Dabei wurden insgesamt 23 Arten festgestellt, darunter die Grüne Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia) und die Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii).
Die Aufarbeitung von Vegetationskartierungen aus 2024 für die Gebiete Schlörbach Rhüden lieferte 64 Gefäßpflanzen- und 20 Moosarten; und für die Kirschweide mit Nette-Aue bei Seesen-Bornhausen 95 Gefäßpflanzen- und 28 Moosarten, darunter die seltenen Tortula papillosa (gefährdet) und Frullania dilatata (Vorwarnliste).
Eine Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii). Sie zählt mit einer Körperlänge von bis zu 8 und einer Flügelspannweite von rund 11 Zentimetern zu den größten heimischen Libellenarten.
Der Status der Dunklen Lockensandbiene (Andrena apicata) ist mehr als besorgniserregend. Um so erfreulicher, diese Art 2025 auf den Flächen der Heinz Sielmann Stiftung nachgewiesen zu haben.
Sielmanns Biotopverbund Grünes Band Eichsfeld-Werratal
Wildbienen und Fledermäuse im Fokus
Der abschließende Bericht zu einem Wildbienen-Monitoring aus 2024 wurde vorgelegt und umfasst Nachweise zu insgesamt 107 Arten. Darunter zwei besonders schutzbedürftige: die stark gefährdete Blaue Ehrenpreis-Sandbiene (Andrena viridescens) und die vom Aussterben bedrohte Dunkle Lockensandbiene (Andrena apicata).
Das akustische Fledermausmonitoring an sechs Standorten über neun Nächte ergab Hinweise auf bis zu 13 Arten, am häufigsten war die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) vertreten. Auch Großer Abendsegler (Nyctalus noctula), Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) und Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) wurden erfasst.
107 Arten
an Wildbienen wurden gefunden
Die Pflanzenwelt im Blick
Zwei Bachelorarbeiten der Universität Göttingen lieferten im Sommer 2025 neue Daten vom ehemaligen Grenzstreifen bei Ecklingerode: Während eine Arbeit die Vegetation auf rund 20 Dauerflächen dokumentierte, untersuchte die andere die Ausbreitung von Problemarten wie Vielblättriger Lupine, Schlehe und Land-Reitgras. Ergänzend wurden eigene Vegetationskartierungen aus mehreren Gebieten ausgewertet. Auf dem Friedhof Hanstein fanden sich dabei 33 Moosarten auf alten Steinen, darunter zwei bemerkenswerte Seltenheiten: Zartnerviges Haarblattmoos (Cirriphyllum tomasinii) und Dünnästiger Wolfsfuß (Anomodon attentuatus).
Dünnästiges Trugzahnmoos bzw. Dünnästiger Wolfsfuß (Anomodon attentuatus) wird dieses Moos genannt. Ökologisch betrachtet spielen alle Moose ‒ trotz ihrer geringen Größe ‒ eine fundamentale Rolle als Pionierpflanzen, Wasserspeicher und Klimaregulatoren.
Der Rothörnige Moosgroßhalbflügler (Hesperus rufipennis) ist eine sogenannten Urwald-Reliktart. Dieser Käfer kann nur dann überleben, wenn er über viele Jahrhunderte hinweg ununterbrochen alte Bäume und entsprechende Totholz-Lebensräume vorfindet.
Sielmanns Waldbiotop Schwäbische Alb
Alter Wald und besondere Käfer
Seit 2019 besitzt die Heinz Sielmann Stiftung Teile eines besonderen Waldes auf der Schwäbischen Alb in Baden-Württemberg. Dort, hinter dem malerischen Schloss Weißenstein, befindet sich eine kleine Schatzkammer der Artenvielfalt. Die Gesamtzahl bekannter Arten im Weißensteiner Waldbiotop beträgt aktuell 1.743. Für das nur etwa 95 Hektar große Gebiet ist das eine beeindruckende Zahl.
Die ökologische Wertigkeit des Gebiets zeigt sich insbesondere bei sogenannten Urwald-Reliktarten. Bei einer Holzkäfer-Untersuchungen wurden 320 Käferarten neu für das Gebiet nachgewiesen. Hervorzuheben sind die Urwaldreliktarten wie Reitters Rindenkäfer (Synchita separanda), Baumschwammkäfer (Mycetophagus fulvicollis) oder Kerbhalsiger Zunderschwamm-Schwarzkäfer (Bolitophagus reticulatus).
1.743 Arten
wurden bisher in Sielmanns Waldbiotop Schwäbische Alb gefunden
Sielmanns Biotopverbünde Ostbayern
Gesunde Feuersalamander-Population entdeckt!
Auf einer neu erworbenen Fläche im niederbayerischen Landkreis Passau haben Experten eine ungewöhnlich große Population des Feuersalamanders (Salamandra salamandra) entdeckt. Die rund 30 Hektar bieten genau das, was die in Bayern gefährdete Art braucht: feuchte Senken, Quellbäche, viel Totholz und strukturreichen Laubwald. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn der eingeschleppte Hautpilz Bsal hat in Teilen Westeuropas bereits ganze Bestände ausgelöscht und breitet sich weiter aus. Jede gesunde Population gilt daher als potenzieller Rettungsanker. Die Tiere könnten im Idealfall als genetische Reserve für die Wiederbesiedlung anderer Regionen dienen.
Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) ist in ganz Europa anzutreffen, hat aber in Deutschland noch seinen Schwerpunkt. Aus diesem Grund trägt Deutschland eine besondere Verantwortung für den Schutz dieser Art.
Der extrem seltene Schwarze Bombardierkäfer (Aptinus bombarda) verschießt zur Abwehr ein Gas. Diese biochemische Abwehr ist gegenüber kleinen Fressfeinden wie Kröten, Spinnen oder Ameisen hochwirksam.
Ein explosiver Fund
Im selben Gebiet wurde bei einem Käfermonitoring der Schwarze Bombardierkäfer (Aptinus bombarda) nachgewiesen, eine in Deutschland extrem seltene Art. Bekannt ist er für seine spektakuläre Verteidigung: In einer Art Explosionskammer im Hinterleib mischt er zwei chemische Stoffe zu einem rund 100 Grad heißen, ätzenden Gas, das er bis zu 30 Zentimeter weit an Fressfeinde feuern kann. Bislang gab es Nachweise fast nur im Donautal. Der neue Fundort im Ilztal liegt rund 20 Kilometer davon entfernt und deutet darauf hin, dass die Ilz als Ausbreitungsroute dient. Gemeinsam mit dem zuvor gemeldeten Feuersalamander-Vorkommen zeigt der Fund, welchen außergewöhnlichen Wert diese 30 Hektar große Fläche für den Artenschutz hat.
Waldeidechsen (Zootoca vivipara) legen keine Eier, sondern sind als einzige der heimischen Eidechsenarten „lebendgebärend“.
Dem Wasser folgt Artenvielfalt
Auf einer Projektfläche am Saußbach, auf der die Heinz Sielmann Stiftung zahlreiche Kleingewässer wiederhergestellt hat, ist offenbar ein neuer Hotspot für die Fortpflanzung des Grasfrosches (Rana temporaria) entstanden. In den Gewässern wurden mehr als 130 Laichballen der Froschart gezählt. Daneben wurden auch Larven des Bergmolchs (Ichthyosaura alpestris) festgestellt. Vorkommen der Ringelnatter (Natrix natrix), Waldeidechse (Zootoca vivipara) und Blindschleiche (Anguis fragilis) wurden ebenfalls kartiert. Die große Verfügbarkeit von Amphibien hat einen Schwarzstorch (Ciconia nigra) als Nahrungsgast ins Gebiet am Saußbach gelockt. Auch der Luchs (Lynx lynx) ließ sich bereits auf der wiedervernässten Fläche blicken. Beide Tiere tappten in eine Kamerafalle.
Der langfristige Bestandstrend für den Grasfrosch (Rana temporaria) wird als sehr stark rückläufig bewertet. Die noch vergleichsweise häufige Art hat in den letzten 130 Jahren Bestandseinbußen von teilweise über 90 Prozent erlitten.
Sielmanns Biotopverbünde Südbayern
Artenvielfalt auf der Hochkienbergalm
Bei den Balzplatzzählungen 2025 wurden drei Hauptbalzplätze und drei Nebenbalzplätze des Birkhuhns (Lyrurus tetrix) ermittelt. Insgesamt wurden dabei 11 balzende Hähne sowie sieben Hennen gezählt. In dem Zuge wurden im Gebiet auch ein Haselhuhn-Paar (Tetrastes bonasia), Waldkauz (Strix aluco), Alpen-Meise (Poecile montanus montanus) und Ringdrosseln (Turdus torquatus) festgestellt.
Auf zwölf jeweils fünf mal fünf Meter großen Dauerflächen werden jährlich Vegetationsaufnahmen durchgeführt. Insgesamt wurden bei dieser ersten Kartierung 118 Pflanzenarten aufgenommen. Auch besondere Arten wie Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza maculata), Narzissen-Windröschen (Anemone narcissiflora) und Kalk-GlockenEnzian (Gentianan clusii) wurden erfasst.
Weitere Beobachtungen bei einer kurzen Begehung im September waren Fichtenkreuzschnäbel (Loxia curvirostra), Fransen-Enzian (Gentianella ciliata), Allermannsharnisch (Allium victorialis), Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea), Feld-Enzian (Gentianella campestris) und Alpen-Heckenkirsche (Lonicera alpigena).
Bestandsaufnahme an Amphibiengewässern
Innerhalb der Sielmanns Biotopverbünde Südbayern sind 2025 insgesamt zehn Amphibienarten nachgewiesen worden. Neben Arten wie Erdkröte (Bufo bufo), Bergmolch (Ichthyosaura alpestris), Teichmolch (Lissotriton vulgaris), Grasfrosch (Rana temporaria), und Teichfrosch (Pelophylax esculentus) wurde auch der streng geschützte Springfrosch (Rana dalmatina) nachgewiesen. Ein zentrales Ziel der Heinz Sielmann Stiftung in Südbayern ist der Schutz und die Förderung von Lebensräumen für bedrohte Amphibien. Gemeinsam mit der Margarete-Ammon-Stiftung und weiteren Partnern arbeitet die Stiftung an der Entwicklung eines Gewässerverbunds im Münchener Umland. Bisher wurden Kleingewässer an 61 Standorten neu geschaffen oder revitalisiert.
Als eine wärmeliebende Art bevorzugt der Springfrosch (Rana dalmatina) gut besonnte Kleingewässer, wie zum Beispiel einen Waldtümpel. Zur Eiablage und im Sommer wandert der Frosch in Waldgebiete ab - oft weit weg vom Wasser.
Die Große Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes) ist eine seltene, streng geschützte heimische Orchidee. In Bayern gilt sie als stark gefährdet bis vom Aussterben bedroht. Sie ist vor allem auf Halbtrockenrasen und in lichten Kiefernwäldern anzutreffen.
Besondere Orchideen in der Pupplinger Au
Bei einem Monitoring zu Effekten der Beweidung auf Vegetationsentwicklung und Frauenschuh-Vorkommen (Cypripedium calceolus) wurden 98 Gefäßpflanzen wie Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes) und neun Moosarten festgestellt. Der Vergleich zu vorigen Kartierungen zeigt: Während die Artendichte auf den Flächen konstant hoch blieb, konnte eine deutliche Abnahme der Streuauflage im Vergleich zu den Vorjahren festgestellt werden. Die Verbissschäden an Frauenschuh-Vorkommen blieben dagegen erfreulich gering.
Der wärmeliebende Dungkäfer Euoniticellus fulvus ist eine extrem seltene Art und auf naturnahe Beweidungsflächen angewiesen.
Sielmanns Biotopverbünde Bodensee-Region
Seit Juni 2024 beweiden Galloway-Rinder die Lippertsreuter Weiherlandschaft bei Überlingen, einem ehemaligen Maisacker, der ab 2020 mit fünf neu angelegten Weihern zu einem Naturrefugium umgestaltet wurde. Schon nach einem Jahr extensiver Beweidung zeigte sich, wie wirkungsvoll diese Maßnahme ist: Experten entdeckten den seltenen Dungkäfer Euoniticellus fulvus, der besonders empfindlich auf Entwurmungsmittel reagiert und daher nur in naturbelassenem Dung vorkommt. Dungkäfer zersetzen Kot, lockern den Boden und sind Nahrungsquelle für viele andere Tiere, stehen aber durch intensive Weidehaltung und Medikamenteneinsatz europaweit unter Druck.
Auf einer Fläche für ein Laubfroschprojekt im baden-württembergischen Kißlegg Sommersried wurde der wärmeliebende Stahlblaue Grillenjäger (Isodontia mexicana) entdeckt. Diese Art wandert stetig weiter nordwärts.
Göttinger Biotoplandschaft am Flüthewehr
Besondere Arten vor der Wildtierkamera
Dank unserer Wildkameras erhielten wir auch in diesem Jahr wertvolle Erkenntnisse über Fischotter, Biber & Co vom Ufer der Leine am Flüthewehr. So wurde Anfang des Jahres starke Bautätigkeit an Biberburgen dokumentiert. Fischotter (Lutra lutra) waren als Nahrungsgäste mehrfach im Gebiet. Außerdem gelangen erstmals Nachweise des sehr scheuen Iltisses (Mustela putorius) sowie der seltenen Wildkatze (Felis silvestris). Sogar ein Waldwasserläufer (Tringa ochropus) wurde aufgezeichnet.
Wildtierkameras bieten ein kontinuierliches und objektives Monitoring. Die Kameras erfassen automatisiert tag- und nachtaktive Tierarten und liefern so unverzichtbare Daten für das Wildtiermanagement, den Artenschutz und die Verhaltensforschung, ohne die Tiere im Lebensraum zu stören.
23 Libellenarten nachgewiesen
Auch in diesem Jahr wurde ein Libellenmonitoring ehrenamtlich durchgeführt. Unter den diesjährigen Beobachtungen mit insgesamt 18 Arten waren mit Früher Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii), Gemeiner Winterlibelle (Sympecma fusca), Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale) und Westlicher Keiljungfer (Gomphus pulchellus) vier Arten dabei, die erstmals auf der Projektfläche festgestellt wurden. Damit steigt die Gesamtzahl der bisher an der Leine kartierten Arten auf 23.
Kontakt
Dr. Jörg Müller
Ökologisches Monitoring
Tel. +49 (0)5527 914-422 Mobil: +49 (0)151 61556122 joerg.mueller@sielmann-stiftung.de
Zur Döberitzer Heide 9 14641 Wustermark / OT Elstal

DIE 17 GLOBALEN ZIELE FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG
In zahlreichen Projekten übernimmt die Heinz Sielmann Stiftung globale Verantwortung und setzt lokale Maßnahmen um, die dazu beitragen, unsere Welt nachhaltig zu gestalten.





